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1997: Rückblick auf zehn Jahre wieder belebte Jüdische Gemeinde

15. November 1997

Die neue Jüdische Gemeinde in Fulda ist wieder voller Leben

Nach dem Völkermord an den europäischen Juden gab es unter den Überlebenden in Deutschland nur noch sehr wenige, die in Deutschland bleiben wollten. Fast alle wanderten aus - nach Israel , Amerika oder andere Länder. Die vor der Herrschaft der Nazis blühende jüdische Gemeinde Fuldas mit über 1000 Mitgliedern existierte danach über lange Jahre nur noch auf dem Papier. Erst vor zehn Jahren wurde die Jüdische Gemeinde Fulda wieder mit Leben erfüllt - und heute hat sie wieder über 300 Mitglieder. Am 15. November 1997 feierte die Gemeinde ihr zehnjähriges Bestehen:

„Psalm von David: Der Ewige ist mein Hirte. Ich darbe nicht. Auf grasigen Auen läßt er mich ruhen"

Juri Bürger liest auf deutsch den Psalm 23; die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Fulda, Linde Weiland,  singt ihn in hebräisch. Im April 1987 wurde, in der ehemaligen jüdischen Schule in der von-Schildeck-Straße, das jüdische Kulturzentrum wieder eröffnet. Alle noch überlebenden Fuldaer Juden in aller Welt waren von Oberbürgermeister Wolfgang Hamberger eingeladen worden, und sehr viele kamen tatsächlich in ihre alte Heimatstadt. Linde Weiland zehn Jahre später:

„Eine Woche lang war Fulda wieder Sitz einer intakten, traditionsbewußten und gebundenen Gemeinde - es war jüdisches Leben in Fulda".

Ab jetzt gab es wieder Religionsunterricht für die jüdischen Kinder in Fulda. Warum eigentliche hatte Oberbürgermeister Hamberger sich so dafür engagiert?

„Als wir anfingen, war für mich ein entscheidender Gesichtspunkt, für alle Zeit für die Zukunft dieses Haus für die jüdische Gemeinde zu sichern. Das konnte nur auf diese Weise geschehen, daß ein Gemeinderaum und eine kleine Synagoge, ein Gebetsraum, eingerichtet werden und die, die damals hier waren, ein Dach über dem Kopf hatten. Damals waren die amerikanischen Streitkräfte noch hier, und in deren Reihen waren immer auch Menschen jüdischen Glaubens, so daß ein bißchen Anreicherung für gewisse Zeiten  immer dawar, so daß die Gemeinde zum Gebet zumindest zusammenkommen konnte"

1990 begann eine neue Ära - ein humanitärer Erlaß gewährte Juden aus den GUS-Staaten die Einreise nach Deutschland als Kontingentflüchtlinge. OB Hamberger:

„Ich habe dann ja auch sehr dafür mich eingesetzt, daß ein hohes Kontingent an jüdischen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Fulda kommt, um der Gemeinde diese Basis wieder neu zu schaffen"

Tatsächlich: Überproportional viele jüdische Flüchtlinge kamen nach Fulda. Und sie brachten sehr vielfältige, neue kulturelle Einflüsse in die jüdische Gemeinde, die auf über 300 Mitglieder anwuchs. Juri Bürger kam 1994:

„Dort in der Sowjetunion konnten wir unsere Religion nicht betreiben, es war alles verboten, und hier erst haben wir angefangen, zu lernen"

Bella Gusma aus Kiew ist im Vorstand der jüdischen Gemeinde.

„Für uns bedeutet das sehr viel, weil wir treffen uns in der Gemeinde, wir feiern alle Feiertage, das ist für uns sehr wichtig. Wir haben eine jüdische Seele, und hier können wir sie ausfüllen"

Nur rund ein Dutzend deutsche Juden gibt es in der Gemeinde. Linde Weiland:

"In Fulda ist der Vorteil:Die deutsche jüdische Gemeinde ist so klein, daß sie ohne den Zuwachs keine Gemeinde ist. Das ist der Vorteil, dadurch sind wir quasi auf den Neuzuwachs angewiesen und der Neuzuwachs ist in gewissem Sinne auf uns angewiesen: Denn wir bringen das Know-how der Tradition und der Religion und sie bringen die Nerugier und die Kinder und das Leben. Wir versuchen wirklich, nicht nur zu integrieren, sondern auch das Bewußtsein der Kultur aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grunde habe ich auch diesen Abend so bewußt multikulturell gestaltet!"

Auch Amerikaner sind in der Gemeinde, oder Juden aus Kolumbien. Jüdische Kultur, das heißt eben heute in Fulda nicht mehr nur jiddisch, sondern auch russisch, ukrainisch, deutsch, amerikanisch und so weiter. Auch wenn der Staat Israel für die Juden eine besondere Bedeutung hat - und so singt der Saal am Schluß die israelische Nationalhymne, die Hatikvah:

Israelische Nationalhymne (ca. 1 Minute)
 


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 © 1998 Christoph Käppeler

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